Auf sauberen Treibstoff achten
Wie erkenne ich sauberen Treibstoff und wo finde ich diesen?

Das Thema scheint auf den ersten Blick vollkommen unproblematisch zu sein: Warum sollte sich eine Yachtcrew denn mit der Qualität von Treibstoffen befassen? In den Tank gehört Diesel. Den gibt`s in jedem Hafen. Ein Vorfall aus jüngster Vergangenheit belehrt uns eines Besseren. Das nämlich war geschehen:
Der Skipper einer Charteryacht rief von einem ausländischen Hafen aus bei seinem Vercharterer an und berichtete von Motorproblemen. Der Hilfsdiesel springe schlecht an, käme nicht auf Drehzahl und Leistung und bliebe immer wieder stehen. Guter Rat war indes nicht teuer, denn in dem geschilderten Fall konnte es sich eigentlich nur um das altbekannte Problem handeln. "Wahrscheinlich haben Sie den Tank vollständig leer gefahren und dabei Luft in das Treibstoffsystem bekommen? Entlüften Sie die Dieselleitungen vom Tank bis zu den Einspritzdüsen. Wie das geht, entnehmen Sie der Betriebsanleitung. Oder beauftragen Sie einen Dieselmechaniker. Das dauert eine Viertelstunde - dann läuft er wieder, wie er soll!"
So geschah es auch. Aber der Yachtmotor tat es trotzdem nicht. Schließlich blieb der Chartercrew nichts anderes übrig, als allein unter Segeln nach Hause zu schippern. Dort, im Heimathafen, checkte man sie aus, behielt aber die Kaution zurück, weil das Motorproblem nicht gelöst war und nicht ausgeschlossen werden konnte, ob die Crew nicht Schuld sein würde. Dann kam ein Fachmann an Bord. Der konnte den Fehler auch nicht ohne weiteres finden. Deshalb konnte die Yacht am nächsten Morgen nicht mit der neuen Crew auf Chartertörn gehen, sondern die Maschine musste ausgebaut und geöffnet werden. Jetzt erst sah man die Bescherung. In der Beschreibung der Motorenfirma liest sich der Schaden so:
"Die Kolbenböden und Ventilteller weisen starke Russablagerungen auf. Die Ölwanne ist stark mit Öl-/Rußschlamm verschmutzt. Das Einspritzbild auf den Kolbenböden, die Zerstäubung und Richtung der Einspritzstrahlen weist sehr deutlich auf defekte Einspritzdüsen hin. In den Vorkammern vor den Schusslöchern fanden sich sehr starke weiße Verbrennungsrückstände, die ausschließlich durch minderwertigen Kraftstoff entstehen. Aufgrund dieser Ablagerungen werden die Einspritzstrahlen so weit verlagert, dass sie an den Rand des Kolbenbodens reichen, was wiederum zu einer punktförmigen Erhitzung führte. An diesen Stellen ist es dann zu einem Kolbenfresser gekommen. Zur Instandsetzung muss der betroffene Motor vollkommen zerlegt werden, was erhebliche Kosten verursacht."
Über diesen Sachverhalt wurde der Charterer informiert. Die Kaution behielt der Vercharterer ein mit der Begründung, der Charterer habe ungeeigneten Treibstoff getankt und sei daher für den kapitalen Motorschaden verantwortlich. Der Charterer erklärte daraufhin, dass er - wie schon öfters - in einem Fischereihafen "bei den Fischern" getankt habe, und lehnte jede Haftung ab. Schließlich konnten sich allerdings der Vercharterer und sein Kunde wieder freundlich in die Augen sehen, weil der Motorenhersteller aus Kulanz einen Austauschmotor stellte.
So bleiben letztlich nur die Unbequemlichkeiten für die Chartercrew und der Ärger für alle Beteiligten im Gedächtnis. Unabhängig davon sollten sich Charterskipper allerdings tatsächlich sorgfältig überlegen, wo sie den besten Treibstoff erhalten, und wie sie dies im "Ernstfall" ihrem Vercharterer gegenüber nachweisen können:
- Tanken Sie möglichst nur in Yachthäfen und nur aus den Zapfsäulen von Treibstoff - "Marken".
- Bewahren Sie alle Tankquittungen mit Markenaufdruck auf, bis Sie ausgecheckt sind und die Kaution zurückerhalten haben.
- Müssen Sie dennoch mal "bei den Fischern" oder aus einem dubiosen Fass oder aus einem Tankwagen tanken, dann versuchen Sie, den Treibstoff zuerst in ein sauberes Gefäß (weißen Eimer o.ä.) zu füllen, wo Sie Schmutz sehen können und wo sich Wasser - unter dem Dieselöl - absetzen kann.
- Wenn Sie dem Treibstoff absolut nicht vertrauen, dann könnten Sie ihn durch ein Stück Leinen (Kopfkissenbezug?) filtern. Aber die Chemie wie z.B. Schwefel kriegen Sie damit freilich nicht weg!
- Sparen Sie sich den ganzen "Schweinkram" mit stinkendem Diesel und halten Sie immer einen Reservekanister gefüllt an Bord. Der reicht dann sicher bis zur nächsten, "richtigen" Yachttanke!
Helge Jansen |