Der Charterer: mit Kreativität und Selbstverantwortung
Sie war die Zierde des großen Yachthafens. Neugierige, Neider und Bewunderer standen regelmäßig vor der deutlich über 50 Fuß langen Yacht aus skandinavischer Produktion. Ein wahres Schmuckstück, mit viel Holz und Technik an Deck, mit einem Arbeits- und getrenntem Gästecockpit, mit viel Segelfläche aus dunklem Mylar. Halt ein Traum.
Jetzt war sie weg. Nein, nicht auf längerem Jahrestörn, nicht zur Überholung in der Werft, wie Insider wussten. Der Eigner … ein wohlhabender Industrieller, wohnhaft weit weg von der Küste, hatte verkauft. Hatte den Traum eines Schiffes einfach veräußert. Der Hafenklatsch war informiert, kannte auch den Grund. Die Yacht war betriebswirtschaftlich gesehen zu teuer geworden. Die Kosten/Nutzen Rechnung wies deutlich aus, dass für einen Tag Segelspaß ein immens hoher Betrag bezahlt wurde. Für unseren erfolgreichen Manager gab es nur die konsequente Entscheidung sich vom kostenträchtigen Eigentum zu trennen, und zukünftig weltweit zu chartern.
Während die kaufmännische Entscheidung im Yachthafen durchaus auf Verständnis stieß, führte der Wechsel ins "andere Lager" zu den Charterern, zu abendfüllenden Diskussionen. Streitgespräche, die deutlich machten, dass es tatsächlich zwischen Eignern und Charterern gravierende Unterschiede gibt, die sich - voller Emotionen - auch in vereinfachten, oft flachen Bildern und Aussagen widerspiegeln. Wildeste Geschichten mangelnder Seemannschaft machen dabei die Runde, die Bootshaken bewehrte Crew auf dem Vorschiff, wird zum Synonym für den Chartersegler. Man meint die auf "Zeit gemietete Yacht" schon beim Einlaufen zu erkennen, die Mannschaften schon beim Betreten des Schiffes als Anfänger und Sonntagssegler entlarvt zu haben.
Wohl wissend, dass derartige Behauptungen nicht in allen Eigner-Cockpits kursieren, ist eine spürbare Distanz zwischen beiden "Fraktionen" jedoch nicht zu leugnen. Die dazu führt, dass in vielen Fällen die unter Wassersportlern gültige Toleranz, Akzeptanz und auch Hilfsbereitschaft leidet. Wir wollen keine Hochrechnung aufmachen, welche Art des Segelns unterm Strich aus betriebswirtschaftlicher Sicht interessanter ist. Es geht auch nicht darum heraus zu finden, wer der "bessere" Skipper ist. Es muss aber deutlich werden, dass engagiertes Chartersegeln ein hohes Maß an Flexibilität, Einsatzbereitschaft, Kreativität und Lernbereitschaft voraussetzt. Wer regelmäßig in fremden Revieren mit wechselnden Yachttypen unterwegs ist, sammelt einen immensen Erfahrungsschatz.
Segeln als Reisen und Erleben, als gesuchte Verbindung sportlicher Herausforderung und intensiven Natur Erlebens verlangt geistige Beweglichkeit. Wenn z.B. bei einer Crewcharter in kürzester Zeit aus fremden Menschen, eine funktionierende und harmonische Crew wird, so geht das nicht ohne Kommunikation, viel Verständnis und der Bereitschaft, das eigene Ego im Interesse der Mannschaft zurück zu stellen. Mag im Normalfall der Eigner durch jahrelangen Umgang mit ein und demselben Schiff zu einer intimen Kenntnis seines Bootes gelangt sein, regelmäßige Charterer machen diesen Umstand durch Anpassungsfähigkeit, Improvisationstalent und ständiger Lernbereitschaft wieder wett. Chartersegler haben also allen Grund ihr Schiff mit gesundem Selbstbewusstsein zu führen. In Selbstbestimmung über Crew und Törnverlauf, mit Verantwortung und selbstkontrollierter Sicherheit.
Obwohl es tatsächliche Unterschiede bei den zentralen Inhalten in der jeweils ausgeübten Art ihres Segelns gibt. Eigner und Charterer eint der Spaß an der Freiheit auf dem Wasser, die technischen Herausforderungen unseres Sports, die Naturverbundenheit und Situationsvielfalt. Für Vorurteile ist da kein Platz.
Trends der Saison
Türkei und Kroatien liegen in der Gunst der Charterer in diesem Jahr weit vorn, Mallorca verzeichnet deutliche Einbußen, die Ostseereviere haben sich behauptet. Italien einschließlich Sizilien haben zugelegt, Griechenland hat sich stabilisiert, die Karibik ist leicht rückläufig. Diese vereinfachten Aussagen wurden von AKC Mitgliedsfirmen ermittelt, und zeigen Trends auf, die unterschiedlichste Ursachen haben.
Die Türkei zählt bei deutschen Charterseglern schon seit vielen Jahren zu den beliebtesten Destinationen. Doch politische Eckdaten, einschließlich terroristischer Entwicklungen, Wetterunbilden … auch Erdbeben im Inland, sorgten zwischenzeitlich für nachlassendes Interesse. Neue Stabilität, moderne Marinas, mehr Service und die Tatsache, dass die Türkei für deutsche Charterer immer noch ein preiswertes Reiseziel ist, sorgten für einen regelrechten Boom. Die großen Chartergesellschaften erneuerten und / oder ergänzten ihre Flotten und interessante Arrangements bescheren den Revieren zwischen Kusadasi und der Fethiye Bucht zahlreiche neue Kunden.
Kroatien hat den Yachttourismus wiederentdeckt! Nach den Kriegswirren gab es vorrangigere Aufgaben, doch seit geraumer Zeit unternimmt man vor Ort gewaltige Anstrengungen, eines der schönsten und beliebtesten Wassersportreviere Europas neu zu etablieren. Mit Erfolg, denn die Mischung zwischen geschichtsträchtiger Küste, landschaftlicher Schönheit und moderner Wassersport Infrastruktur liefert beste Voraussetzungen für gelungene Charterurlaube. Mallorca verzeichnet Einbußen, und die Gründe dafür sind vielfältig. Mit Pauschaltouristen wurden die Balearen groß, jetzt protegiert die Inselregierung den Individualreisenden, was zu einigen politisch schwer verständlichen Entscheidungen führte. Die neu erhobene Umweltsteuer wird den Chartersegler weniger verärgern, als hohe Hafengebühren bei nachlassendem Service.
Und die oft heftigen Auswirkungen einer sich unter Umständen abzeichnenden Klimaveränderung erreichten nahezu alle Mittelmeer Reviere … auch Mallorca. Eine Garantie für Sonne, Wind und rundum optimale Bedingungen kann es für kein Revier weltweit geben. Segler werden den gewachsenen Herausforderungen eines schwerer berechenbaren Wetters mit sorgfältiger Seemannschaft begegnen. Deshalb verlieren Mallorcas Calas, die reizvollen Häfen oder die eindrucksvolle Nordwestküste nichts von ihrer Attraktivität. Die Yachten werden immer jünger und komfortabler, die Crews kleiner, allerdings der Charterurlaub auch kürzer. Man segelt dafür häufiger, die Buchungsentscheidung fällt kurzfristiger, was von den Anbietern mehr Flexibilität verlangt.
Ihre AKC-Mitgliedsfirmen haben sich darauf eingestellt, konfrontieren Sie die Charter-Fachleute mit Ihren Wünschen. Schon jetzt wünscht Ihnen das AKC-Charter Brevier einen erholsamen und erlebnisreichen Segelurlaub.