Rund Fünen ist so etwas wie der Standardtörn in Dänemark und deshalb sind die Gewässer rund um die Insel das am häufigst befahrene Revier des Landes. So zählt man Sommer für Sommer in den Häfen der zweitgrößten dänischen Ostseeinsel fast 200 000 Boote, deren Crews in einen der Inselhäfen festgemacht hatten, um dort zu übernachten. Diejenigen, die zum erstenmal den Kurs ihres Segelbootes so festlegen, dass nach ein oder zwei gemütlichen Wochen an Bord die Umrundung der Insel abgeschlossen ist, haben das Gefühl, ein fernes Ziel erreicht zu haben. Und das macht sie aus, die Faszination Inselumrundungen. Es sind Reisen ohne Rückfahrt. Es geht immer vorwärts. Wer gemütlich um Fünen segelt und den einen oder anderen Abstecher zu Nachbarinseln macht, hat am Ende des Törns gerade einmal 200 Meilen auf der Logge. Die Reise führt jedoch durch eines der abwechslungsreichsten Wassersportreviere Europas.
Törntipp Fünen
Alte Hasen in Sachen rund Fünen, legen den Kurs mit gutem Grund so fest, dass die Insel im Uhrzeigersinn umsegelt wird. Im Norden schippert man durch das offene Kattegat, und bei den vorherrschenden westlichen Winden - zumal wenn sie einmal etwas kräftiger wehen - ist jeder Skipper froh, ablaufen zu können, anstatt gegenan kreuzen zu müssen.
Der Törn beginnt deshalb in der Regel am Südeingang des (A)Kleinen Belts. Dieser für die Berufsschiffahrt gut ausgetonnte Teil der Ostsee, zwischen Jütland und Fünen ist durch seine vielen gut geschützten Ankerbuchten, seinen kleinen Inseln und den vielen alten und neuen Häfen ein Gebiet, in dem so manch ein Bootseigner schon seinen gesamten Urlaub verbracht hat. Die beliebtesten Häfen sind Aarösund-Marina, (B)Assens und die neue Marina von Middelfart.
Wer lieber ankern will, wird sich beim Blick auf die Seekarten nur schwer entscheiden können. Es gibt zu viele Möglichkeiten. Nur drei Beispiele: Agernäs in der Helnäs Bugt, der Gamborg Fjord und der Ausgang des Kolding Fjords. Diese ruhigen Ankerplätze liegen abseits der Rund-Fünen-Route, auf der sich die meisten Inselumrunder bewegen.
Nach dem Durchsegeln des landschaftlich besonders reizvollen nördlichen Ausgang des Kleinen Belts steuern die meisten Inselumrunder das Städtchen (C)Bogense im Norden von Fünen an und bleiben bei schönem Wetter gleich ein paar Tage, denn wenige Schritte von den Stegen entfernt, befindet sich ein weißer Badestrand.
Wer eine Alternative sucht, muss zwar einige Stunden länger segeln, ist dann aber auf der kleinen Insel Endelave, auf der der Tourismus kaum eine Rolle spielt. Der Inselhafen ist knapp 25 Meilen vom Ausgang des Kleinen Belts entfernt. In der Nähe des alten Fischereihafens gibt es einen gemütlichen dänischen Kro und einen Fahrradverleih. Eine Inselumrundung ist mit dem Fahrrad nicht möglich, da nur fünf Straßen zu entlegenen Höfen gebaut wurden. Diese führen aber durch eine sattgrüne Landschaft fast ohne Autoverkehr.
Zur Umrundung von Fünen gehört in der Regel ein Abstecher zur Nachbarinsel (D)Samsø. In dem größten Inselhafen des Ortes, Ballen, herrscht in der gesamten Saison Ferienstimmung pur. Wer es etwas ruhiger haben will, sollte den Hafen von Kolby Kas an der Westseite der Insel ansteuern. Von Samsø zeigt der Bug der Charteryacht schon wieder in Richtung Süden. Je nach Segellust und Laune bieten sich die gut ausgebauten Häfen von Kerteminde oder zwölf Meilen weiter im Süden von (E)Nyborg als nächste Ziele an.
Kenner des Reviers machen allerdings erst einmal einen Abstecher nach Korshavn, den Naturhafen am nordöstlichen Kap von Fünen. Ob man an der T-förmigen Brücke des "Odense-Seilclubs" festmacht oder auf drei Meter Wasser in der kreisförmigen Bucht ankert, das Kühlfach an Bord sollte gefüllt sein, denn es gibt keine Versorgungsmöglichkeiten.
Auf dem weiteren Weg gen Süden muss die Große-Belt-Brücke durchquert werden. Mit Segelyachten, deren Mast unter 16 Meter misst, reicht die Brückenhöhe auf der Westseite aus (Tor 36). Größere Yachten müssen die offizielle Großschifffahrtsroute bei Korsör benutzen.
Von hier sind es nur noch wenige Meilen zum Inselhafen von (F)Agersö. Angesteuert wird die kleine grüne Insel in der Regel wegen der schönen menschenleeren Strände, die schnell vom Hafen aus mit einem Fahrrad zu erreichen sind. Ein Fahrradverleih befindet sich am Hafen.
Ein paar Meilen Richtung Westen von hier öffnet sich das schmale und sehr gut geschützte Fahrwasser zwischen Fünen und der Insel Langeland. Einen Abstecher zum nördlichsten Hafen der Insel Langeland, (G)Lohals, lohnt sich schon allein wegen eines Spazierganges um die nördliche Spitze dieser Insel.
Nicht nur der Blick über den Großen Belt, sondern auch der Weg durch einen vom Wind zerzausten Märchenwald beeindruckt. Alternativ kann auch Dagelökke weiter im Süden von Langeland angesteuert werden. Der alte Fischereihafen ist vor allen Dingen dann ein Geheimtipp, wenn es einmal regnen sollte. In Hafennähe gibt es ein Hallenbad, eine Sauna und sogar einen öffentlichen Fernsehraum.
In die "Südsee":
Wer durch den landschaftlich besonders reizvollen Svendborg Sund mit seinen vielen Häfen und guten Ankerbuchten weiter segelt, dem geht es wie den Feinschmeckern, die sich das beste Stück bis zum Ende der Mahlzeit aufheben. Der Sund, im Norden von Fünen und im Süden von der Insel Taasinge eingerahmt, gehört schon mit zu dem Teil Dänemarks, der in Seglerkreisen nicht ohne Grund als (H)"Dänische Südsee" bezeichnet wird (siehe Seite ...).
Es präsentiert sich eine Wasserlandschaft, die von kleinen und großen Inseln, Sandbänken und grünen Wäldern unterbrochen wird. Das Befahren der Südsee ist auch für Anfänger einfach, denn Untiefen und Fahrrinnen sind gut ausgetonnt.
Der Törn rund Fünen endet dort, wo er begonnen hat: Im Kleinen Belt. Wer auf der Hinreise noch keinen Abstecher zur Insel Alsen mit ihrer Hauptstadt (I)Sonderburg unternommen hatte, sollte es jetzt tun.
Ein Spaziergang von der Marina Sonderburg zum Stadtzentrum am Wasser entlang, zeigt noch einmal Dänemarks landschaftlichen Reize. Und die Stadt mit ihrer geschäftigen Haupteinkaufsstraße, den vielen Cafés und Biergärten präsentiert das moderne dänische Leben. (kb)