Wir werden uns nicht an der Diskussion beteiligen, ob die Müritz oder der Bodensee den Titel „größter Binnensee“ Deutschlands tragen darf. Doch sicher ist das „Morcze“ – aus dem slawischen für kleines Meer – eines der schönsten Binnenreviere zwischen dem hohen Norden und tiefen Süden der Republik.
Die rund 115,26 qkm große Müritz mit einer Nord-Süd Ausdehnung von 29 km, und West-Ost Distanz von 13 km ist geologisch betrachtet ein Kombinationssee.Ein großer Rinnen- und Eisstausee aus Schmelzwasserrinnen und ausgehobelten Vertiefungen. Das erklärt auch die gravierenden Tiefenunterschiede. Durchschnittlich 6,28 Meter tief, kann man am Ostufer deutlich über 200 Meter in den See laufen und hat immer noch festen Boden unter den Füßen. Die größte Tiefe in der Binnen-Müritz beträgt dagegen 33 Meter, grundsätzlich kann man die Tiefenwasserverhältnisse nahezu an den Uferformen ablesen.Vor den Steilküsten z.B. bei Klink, misst man rund 18 Meter,während die Uferrandzonen im Müritz-Nationalpark weite Flachwassergebiete ausweisen. Schon die Steinzeitmenschen schätzten die Müritz-Landschaft, denn viele Fundplätze im Müritzgebiet lassen auf eine hohe Siedlungsdichte schließen. Unsere Ahnen profitierten vom Wild- und Fischreichtum der Region, und auch heute ist die facettenreiche Küche der Müritz-Region mit Gewichtung auf heimische Erzeugnisse ein Anziehungspunkt, auch für Bootsfahrer, egal ob auf eigenem oder gechartertem Kiel.
Entscheidend für die Beliebtheit der Müritz ist jedoch die Tatsache, dass zusammen mit den Mecklenburgischen Oberseen, und durch gut schiffbare Wasserstrassen ein wirklich einzigartig nutzbarer Naturraum entstanden ist, der den Wassersportlern überwältigende Möglichkeiten bietet. Grundsätzlich ist die gesamte Müritz eine Bundeswasserstrasse und Bestandteil der Müritz-Elde-Wasserstrasse. Das bedeutet, dass der Charterschein aktuell leider nur auf Kölpin- Fleesensee und den verbindenden Flüssen und Kanälen Gültigkeit hat.Am südlichen Ende zweigt in Richtung Südost die Müritz-Havel-Wasserstrasse mit dem Mirower Kanal ab.
Stadthafen von Waren
Mit zur Attraktivität der Region trägt ein spezielles Mikroklima bei,was sich besonders durch die Temperatur- und Niederschlagswerte zeigt.
„Von jedem Wetter etwas“,würde das Mecklenburg- Brandenburgische Übergangsklima treffend skizzieren, doch prinzipiell fahren und/oder segeln Wassersportler in der Müritz-Region auf der „Sonnenseite“. Über 1600 Sonnenstunden zählt man jährlich, die Temperaturen können durchaus 35° erreichen, und dank der erwärmten Wassermasse bietet sich auf der Müritz auch noch ein späterer Herbsttörn an. Starkwind registriert man nur an rund 40 Tagen im Jahr, doch der See ist beileibe kein Ententeich. Bei starken Westwinden entsteht eine kurze steile Welle, die in Kombination mit schnell, größtenteils südlich oder nördlich durchziehenden Gewitterfronten, umsichtiges Agieren und gute Seemannschaft verlangt.
Die „Müritzer“ – schon 1150 wurden die „Morici“ ( Müritzer ) erstmalig urkundlich erwähnt, haben natürlich das Potenzial ihres „Kleinods“ erkannt, und so ist nahezu rund um die Müritz, einschließlich der Trabantenseen eine leistungsfähige maritime Infrastruktur entstanden, die aktuell um einige Projekte mit Modellcharakter ergänzt wird. Wir beginnen unseren nicht vollständigen „Rundschlag“ in WAREN, gemeinhin als Zentrum der Mecklenburgischen Seenplatte bezeichnet.
Der Ort mit zwei Siedlungskernen wurde Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet, und die historische Altstadt mit vielen renovierten Fachwerkhäusern lädt dank liebevoller Renovierung zum informativen Rundgang ein. Besondere Aufmerksamkeit widmete man dem Stadthafen, der heute für Gastlieger bestens gerüstet ist. So offerieren zahlreiche Restaurants rund um das Hafenareal lokale Spezialitäten, an den Saison-Wochenenden lädt die Gastronomie zu musikalischem Frühschoppen, und Segler, Motorboot- und Hausbootfahrer finden alle notwendigen Versorgungseinrichtungen.
Das gilt im weiteren Verlauf des Nordufers auch für KLINK, wo ein Wasserwanderrastplatz sichere Plätze mit den üblichen Einrichtungen offeriert. Sehenswert sind das heute als Hotel genutzte Schloss und Ausstellungen zu einem alten Mecklenburgischen Handwerk, der Glasbläserei.
Während das deutlich ruhigere SIETOW ebenfalls einen Wasserwanderrastplatz bietet, verfügt RÖBEL neben mehreren Hotel-Anlegern über einen gut ausgerüsteten Stadthafen,Vereinsliegeplätzen und der Anlage des Wasser-Service-Centers Röbel. Der Ort selbst hat eine sehenswerte alte Bausubstanz – Marien- und Nikolaikirche – und wer Fahrräder an Bord hat, sollte unbedingt Ausflüge in die nähere Umgebung unternehmen.
Keinesfalls darf man einen Abstecher in die Kleine Müritz mit VIPPEROW versäumen,und vergessen BUCHHOLZ am Ende des Müritzarmes zu besuchen. Landschaftlich reizvolle Ziele mit kleinen Anlegern, oft von Fischern mit Hofverkauf und Imbiss eingerichtet und geführt.
Vom Südostufer der Müritz mit Eingang zum Nationalpark in BOEK bis an die brandenburgische Landesgrenze am Nebelsee erstreckt sich das Gebiet der südlichen Müritzregion. Hier kommen Wassersportler auf ihre Kosten, die sich in fast unberührter Natur erholen möchten.
Wirtschaftliches Zentrum und Tour-Ausgangspunkt ist RECHLIN,das sich in den letzten Jahren durch den Ausbau regionaler Infrastruktur zu einem beliebten Ziel der ganzen Region gemausert hat. Liegeplätze gibt es im Seglerhafen Rechlin und in der Ferienanlage Yachthafen Rechlin mit kompletten Einrichtungen und zahlreichen Freizeitangeboten.
Am Eingang des BOLTER Kanals liegt das gleichnamige Feriendorf, das ebenfalls sichere Plätze und Versorgungseinrichtungen bietet. Nur wenige Kilometer vor dem Bolter Kanal liegt das „HAFENDORF MÜRITZ“, ein Freizeitprojekt mit Modellcharakter. Hier findet der Wassersportler ein Urlaubsangebot unter dem Motto „alles aus einer Hand.“ So gehört zum Gesamtprojekt die „Marina Claassee“ mit Fullservice: von der Tankstelle über Entsorgungsmöglichkeiten,Werftservice, Hafenbistro – das gut geführte Captain´s Inn - ,Kran und in der Endstufe 400 Liegeplätzen. Hier hat sich auch das AKC-Mitglied Kuhnle- Tours etabliert, und bietet neben seinen bekannten Hausbooten vom Typ Kormoran und Vetus, ebenso kleinere First-Segelyachten von Beneteau an.
Ergänzt wird das Konzept durch den „Ferienpark Müritz“ ein Immobilienprojekt mit rund 200 Ferienwohnungen und Appartements, einschließlich Hotel, Sportanlagen sowie diversen Ladengeschäften und Gastronomieeinrichtungen. Grundsätzlich stehen auf der Müritz rund 3000 Liegeplätze zur Verfügung. Dabei reicht das Angebot vom hochmodernen Hafen bis zum einsamen Steg ohne große Versorgungseinrichtungen.Kontinuierlich werden dabei die Einrichtungen und Ausrüstungen der kommunalen, wie auch kommerziell betriebenen Einrichtungen verbessert und erweitert.