Seinen Charterkunden bot ein Unternehmen aus Berlin eine viertägige "Kreuzfahrt auf Fontanes Spuren" als Saisonauftakt an. Der Einladung folgten Freizeitskipper aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, NRW und Sachsen.
Ich orderte wie immer mit Peter Fischer ein M/10 Silent 101 - Boot; insgesamt beteiligten sich 17 Charterbesatzungen an dem Geschwadertörn. Geführt von der Salonyacht "Hugo Reincke", dem Flaggschiff des Unternehmens, fuhren wir von der Scharfen Lanke über (A)Wannsee, Griebsnitzsee, Glienicker Lake und Jungfernsee zum Sacrow-Paretzer-Kanal und genossen Frühjahrssonne und Landschaft. Am Schlänitzsee war Schloss Marquardt zu sehen, daneben das Teufelsbruch. An der Autobahnbrücke ästen Damhirsche und Rehe. Wenig später dehnt sich hinter dem Damm der Göttinsee. Danach münden Potsdamer Havel und Havelkanal ein. Nach dem Kirchwerder war (B)Paretz zu sehen, wo das Königspaar Luise und Friedrich Wilhelm III. viele Sommer verlebten. Heute kreuzt dort die Autofähre Ketzin. Der Yachtclub des Städtchens bietet Liegeplätze, Winterlager, Slip und Übernachtung. Die Havel weitet sich zum Trebelsee. Am Nordufer liegt ein Wasserski-Revier, dahinter das Ketziner Bruch. Danach sah man am linken Ufer die Götzer Berge; ein LSG. Am Waldrand liegt ein Feriendorf mit Hafen. Der nächste Abschnitt erforderte durch Windungen, Altarme, Inseln und wechselnde Strömung Aufmerksamkeit. Am Südufer zweigt die Krumme Havel ab. Sie wurde in den Emsterkanal einbezogen; kleine Boote können darauf zum Kloster Lehnin gelangen.
Bild: Die Boote im Verband in die Schleuse zu fahren, verlangt Aufmerksamkeit, macht aber auch viel Spaß. Fotos: Hans Wischer
An der Brandenburger Vorstadtschleuse musste ein Boot in Schlepp genommen werden. Der begleitende Mechaniker organisierte die Reparatur am Tagesziel. Danach ging es in den Silokanal. Nach dem alten Walzwerk war der Quenzsee erreicht, er mündet in den (C)Plauer See und wieder in die Havel. Bei Plaue fuhren wir in den Elbe- Havel-Kanal. Lange war er die am meisten genutzte Wasserstraße im Osten. Seit den 90er-Jahren wird er modernisiert. Erstes Etappenziel war (D)Genthin. Man empfing uns mit Musik; abends gab es rustikales Essen und Hans-Sachs-Verse. Nach dem gelungenen Tagesabschluss wurden alle Bootsführer über Besonderheiten der nächsten Etappe, besonders zu Manövern in der strömungsstarken Elbe, instruiert. Am nächsten Morgen begleitete uns Dauerregen bis zum Pareyer Verbindungskanal. Drei Schleusungen waren in der alten Anlage erforderlich. Wind blies uns auf der Elbe entgegen. Das Flaggschiff hielt sich vor der Strömung. Die Boote folgten dem Beispiel, mit Megaphon und Funk dirigiert. Trotz des Wetters bot das Geschwader ein schönes Bild. Bald tauchte die Silhouette von Jerichow auf. Das Kloster gilt als ältester Backsteinbau Norddeutschland.
Die Törnplanung wurde vom Flaggschiff übernommen. Fotos: Hans Wischer
Nach einer Stunde erschienen die Türme Tangermündes. Die mittelalterliche, von Backsteingotik und Fachwerk geprägte Stadt mit dem bekannten Rathaus und der auf Karl IV. zurückgehenden Burg wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Nach dem Zwischenstopp ging es durch die geschichtsträchtige Elbaue: Rechts lag (E)Schönhausen, der Geburtsort Bismarcks. In dem Dorf Wust befindet sich die Gruft der Kattes, wo auch der Jugendfreund Friedrichs II. ruht. Bei Arneburg hatte Göring ein Jagddomizil: die Villa kann man nicht übersehen. Bei Sandau fanden die letzten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges statt.
Um in die Havel zu gelangen, muss man bei Dommühlenholz in den Schleusenkanal einbiegen, weil die Flussmündung und die Schleuse Quitzöbel für größere Boote gesperrt sind. Bei dem Manöver gegen die Strömung Kurs zu halten, war nicht einfach. Vom Geschwaderkapitän dirigiert, fuhren alle Boote eine Schleife.
Danach machten wir am (F)Havelberger Stadtgraben fest. Umgeben von Wald, Wasser und Wiesen bietet die Stadt viele Freizeitmöglichkeiten und den Hochzeits- und Pferdemarkt. Wassersportler finden Liegeplätze und Service. Durch die Lage an Elbe und Havel hat Schiffbau in der Domstadt eine lange Tradition. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ hier seine Flotte bauen. Sie bewährte sich sogar auf dem Atlantik. Das fand Beachtung, deshalb trafen sich Peter der Große und der Große Kurfürst in Havelberg. Im Berliner Museum für Verkehr und Technik befindet sich ein Diorama der Werft.
Am dritten Tag ging es havelaufwärts. In der Niederung waren Trappen, Graugänse, Kraniche, angenagte Bäume und Biberburgen zu sehen.
Bei (G)Strodehne überspannt wieder eine Brücke die Havel; früher war man auf die Fähre angewiesen, wenn man mit dem Bootshänger nach Havelberg wollte. Östlich liegt das "Ländchen Rhinow", wo die Lilienthal-Gedenkstätte Stölln an die ersten Versuche des Flugpioniers erinnert. In Grütz tankten einige Boote. Bald war Rathenow erreicht. Durch die Passage des Schleusenkanals nimmt man die Stadt kaum wahr. Nächste Station war die Schleuse Bahnitz. Wie eine Perlenschnur zog das Geschwader in der Abendsonne über den (H)Pritzerber See. Nach 80 km klang der Tag im Plauer "Lingenhof" aus. Am nächsten Morgen ging es über den Plauer See nach Brandenburg. Durch den Aufstieg Berlins verlor es seine Bedeutung Als markgräfliche Residenz. Erst Industrie brachte Aufschwung. Das Zuchthaus was bis 1945 berüchtigter Hinrichtungsort. Verfallene Betriebe zeigen die aktuellen Probleme. Von Brandenburg ging es bis Ketzin zurück, um dort in die Potsdamer Havel zu fahren. Am Kleinem und Großem Zernsee nisten Vögel. Nach der Eisenbahnbrücke liegt Wildpark am linken Ufer, Werder am rechten. Die durch Obstbau und Blütenfest bekannte Stadt hat unter Wassersportlern einen guten Namen.
Am Westufer ist die Zufahrt zum Glindowsee. Dort sind das Ziegeleimuseum und die Kunsthandweberei sehenswert.
Nach der Straßenbrücke war der Schwielowsee erreicht. Am Südufer waren
(I)Petzow und Ferch zu sehen. Beide Orte sind beliebte Ausflugsziele. Bei der Fahrt über den Schwielowsee galt es, die Flachwasser vor Caputh und die auf dem Gemünde verkehrende Seilfähre zu beachten. Dort war kurzer Zwischenstopp, damit Nachzügler aufschließen konnten. Nach der letzten Pause ging es über der Templiner See. Auch dort mussten Flachwasser beachtet werden. Kurz darauf war (J)Potsdam erreicht. Die Uferzonen von Teltower Vorstadt und Freundschaftsinsel gewannen durch die Buga wieder an Gesicht. Der Flatowturm grüßte vom Babelsberger Park; nach der Glienicker Brücke ging es zurück in heimische Gewässer "Ein gelungener Saisonauftakt." War die Meinung aller Teilnehmer, als wir wieder gut gelaunt an der Scharfen Lanke festmachten.