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Die Schlei

Charterboot

Keine Postkartenidylle. Nach wie vor trifft man auf der Schlei viele Fischer.

Von Simone Augustin

Vor gut 1000 Jahren waren es Wikingerschiffe im nordischen Klinkerbau, Holke, Koggen und Prahme, die auf der Schlei fuhren und Handelsgüter aller Art wie Wein, Tuche, Getreide und Speckstein u.a. mit sich führten. Der Umschlagplatz für diese Waren war Haithabu, eine von Wikingern gegründete Handelsstadt am äußersten Ende der Schlei, tief im Inneren des Binnenlandes. Heute kann jeder Segler die Schlei auf den Spuren der Wikinger durchfahren und sich sehr bald schon ein Bild davon machen, weshalb die Nordmänner diesen Ort gewählt hatten: er bot nämlich einen ideal geschützten Hafen mit einer perfekten Anbindung an das Handels- und Verkehrsnetz über Land nach Skandinavien und das restliche Europa und zudem eine Verbindung zur Ostsee, über das Danewerk zur Nordsee und somit zum gesamten damaligen Seehandel.

Die enge Förde schlängelt sich durch die reizvollen Landschaften zwischen Angeln und Schwansen auf dem Weg von Schleswig zur Ostsee. Aber nicht nur die abwechslungsreiche Szenerie aus weitflächigen Feldern und dichten Laubwäldern machen die Schlei sehens- und entdeckenswert, sondern auch die Mischung aus Küstengewässer, flussähnlichen, kurvenreichen Engen und relativ großem Binnengewässer mit windgeschützten Buchten ist sowohl etwas für Anfänger als auch für den erfahrenen Segler.
Wer in Schleswig an Bord eines Charterbootes geht, wird feststellen, dass es bis zur Ostsee noch ein gutes Stück Fahrt ist. Doch eben die Tatsache, dass die Schlei über viele Entdeckungsmöglichkeiten verfügt, macht das wieder wett. Selbst wenn man einen Hafentag einlegen muss, weil der Wind mal zu stürmisch ist oder man vielleicht einen der wenigen Regentage der Saison erwischt hat, können Schleswigs Sehenswürdigkeiten die Zeit verkürzen. Schloss Gottorf ist mit seiner permanenten Ausstellung und der wechselnden Bilderausstellung der Galerie eine willkommene Abwechslung. Ein Besuch im Schleswiger Dom und der historischen Fischersiedlung am Holm lohnt allemal einen Ausflug. Und was die Wikinger angeht, bietet das Haithabu-Museum eine umfangreiche und sehr anschauliche Ausstellung über die Geschichte und Lebensweise der Nordmänner.

Schlei

Bild: Die Häfen der Schlei sind immer sehr gut frequentiert. Vorherige Anmeldung beim Hafenmeister ist ratsam. Foto: Inke Wicht

Wer sich noch nicht ganz bis zur Ostsee traut, kann seine ersten Segelerfahrungen auf der Kleinen oder Großen Breite östlich von Schleswig, dem Gunnebyer Noor oder der Breite zwischen Lindaunis und Arnis machen, die meist windreich sind, aber nicht die starke Dünung der Ostsee aufweisen. Für den erfahrenen Segler jedoch ist es eine Herausforderung, die kurvenreiche Schlei zu durchfahren und sich dabei auf das Zusammenspiel von Wind und sich windendem Fahrwasser einzulassen. Schleimünde stellt dabei das Tor zur Ostsee dar: von hier aus öffnet sich dem Segler die Welt des Baltikums, die Kieler Förde oder die Lübecker Bucht, die Flensburger Förde, die Dänische Südsee oder das Kattegatt.

Häfen an der Schlei


Entlang beider Ufer der Schlei gibt es zahlreiche Liegemöglichkeiten, die zum Teil jedoch nur für Boote mit geringem Tiefgang geeignet sind. Ein genauer Blick auf die Tiefenangaben der Schleikarte für die einzelnen Häfen ist dabei unerlässlich.
Für größere Boote empfehlen sich die Häfen in den Ortschaften Schleswig, Missunde, Arnis, Kappeln und Maasholm.
Veranstaltungen wie die Kappelner Heringstage oder das Wikinger-Fest in Schleswig, das im August stattfindet, laden zum Festmachen ein. Viele geschützte und seichte Buchten links und rechts des Hauptfahrwassers laden zum Ankern ein und eröffnen den Blick auf idyllisch gelegene Gutshöfe, Mühlen, Reetdachhäuser, Weiden, dichte Waldstücke und sogar Steilküsten.


Zahlreich säumen reetgedeckte Häuser die Ufer der Schlei. Foto: Inke Wicht

In Bezug auf das Segeln, die Ausrüstung der Boote und das Bunkern von Treibstoff bieten die größeren Häfen und spezielle Anlegestellen wie die Schrader Marina an der Großen Breite und die Marina Brodersby in der Missunder Enge ausreichenden Service. Doch in Kappeln und Schleswig und in eingeschränktem Maße auch in Maasholm und Arnis hat der Segler die Möglichkeit für einen ausgedehnten Einkaufsbummel. Einen Ort besonders hervorzuheben, hieße, die anderen zu unrecht abzuwerten. Jeder Hafen entlang der Schlei hat seinen ganz speziellen und eigenen Reiz und ist mit Sicherheit ein Anlegen wert. Die Liegegebühren in den einzelnen Häfen belaufen sich zwischen 10,- und 12,- Euro, wobei die Sauberkeit der sanitären Anlagen nicht überall dem gleichen Standard unterliegt. Wer also die ganze Schlei hinauffahren will, sollte viel Zeit und Geduld mitbringen. Und das nicht nur für die Brücken in Kappeln und Lindaunis, die einmal stündlich geöffnet werden, um den Seglern die Durchfahrt zu ermöglichen. Besonders während der Ferienzeiten und an Wochenenden ist die Schlei ein gern und stark befahrenes Gewässer. Und wem der Wind mal zu stark erscheint, um auf die Ostsee hinauszufahren (Sonnentage mit gutem Segelwind überwiegen) kann sicher sein, dass die Schlei zumindest im Hinblick auf den Seegang ein paar Grade ruhiger ist.



 

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