Dieser Charterurlaub scheint Spaß zu machen. Foto: M.W.
Manchen zurückkehrenden Chartercrews sieht man es schon beim Einlaufen an: Grimmige Gesichter, eisiges Schweigen, barsche Kommandos und bissige Kommentare künden von Zoff und Zank. Diese Crew hatte offensichtlich wenig Spaß im Segelurlaub? Das aber muss nicht sein. Mit ein bisschen "Püschologie" geht manches glatt!
Die häufigsten Probleme innerhalb einer Crew entstehen durch diese typischen Ursachen:
Derjenige, der das Schiff "besorgt" hat, will auch der Käptn sein, obwohl er entweder den Anforderungen nicht genügt oder die Crew lieber einen anderen Skipper will.
Der Skipper entmündigt die übrige Crew, weil er - alleiniger Herr nächst Gott - das Schiff "nach Gutsherrenart" führt.
Die "Chemie" zwischen Skipper und Crew oder - noch schlimmer - in der ganzen Crew stimmt nicht.
Diese Probleme sollten eigentlich nicht erst vor dem Ablegen auftauchen, sondern bereits lange vor dem Chartertörn bei dessen Planung. Mit der Zusammenstellung jeder Chartercrew nämlich treten zwangsläufig die Fragen auf, die vor allem bei neuen Crews eminent wichtig sind:
Wer unterschreibt den Vertrag und ist damit Geschäftspartner und Sprecher der Crew gegenüber dem Vercharterer?
Wer ist Skipper und verantwortet damit alle seemännischen Entscheidungen während des Törns?
Wer übernimmt ggf. Spezialaufgaben (z.B. Betreuung der Bordtechnik, Kochen)?
Passen die Crewmitglieder überhaupt zusammen ?
Viele Chartercrews lösen die Fragen 1. und 2. mit einer einfachen Personalunion. Das findet der so Erwählte oft auch nur als gerecht, weil er neben der Arbeit dann auch die Ehre erfährt. Dennoch muss dies nicht die beste Lösung sein, denn die beiden Funktionen "Vertragspartner" und "Skipper" bedürfen doch deutlich unterschiedlicher Qualifikationen: Soll ersterer sich vor allem der Auswahl des Vercharterers, derjenigen der Yacht, der Vertragsgestaltung und der Reiseorganisation widmen, so soll der Skipper nicht nur der beste Seemann an Bord sein, sondern vor allem der von der gesamten Crew anerkannte "informelle Führer". Wird diese Grundregel der Gruppendynamik nicht bedacht, dann kommt es häufig zu einer Zweiteilung der Schiffsführung, indem einer das Vertrauen der Crew hat und als stillschweigend erwählter Sprecher deren Wünsche vertritt, während der eigentliche Skipper nur noch als "Fachmatrose" fungiert und - von der übrigen Crew isoliert - deren Wünsche ausführt. Die ideale Verbindung beider Qualitäten, also der des Sympathieträgers mit jener des Käptns, ist schwer herzustellen. Oft helfen auch hier, wie im wirklichen Leben an Land, nur Kompromisse weiter. Eine kleine Anleitung zur Zusammenstellung einer gut harmonierenden Crew könnte so lauten:
Eine Kopplung der Funktionen Vertragspartner und Skipper ist sachlich nicht nötig.
Jede Chartercrew sollte sich ihren Kapitän selbst wählen - je einstimmiger, desto besser, selbst wenn diese Wahl nur den zweitbesten Seemann ergibt.
Ein der übrigen Crew haushoch überlegener Schiffsführer und Seemann sollte nur dann an Bord sein, wenn er von der Crew wenigsten auch als Kamerad akzeptiert wird. Merke: Respekt kann fehlende Sympathie nicht ersetzen!
Auf einer Freizeityacht sollte der Skipper nicht nur zulassen, sondern sogar anbieten, selbst seemännische Fragen demokratisch zu diskutieren, solange genügend Zeit und Ruhe dazu ist.
Jede Chartercrew muss akzeptieren, dass der Skipper in allen seemännischen Fragen die oberste Instanz ist und das letzte Wort hat.
Für den berühmt-berüchtigten Fall der Fälle, nämlich den Skipperfehler mit ernsten Folgen für Sachen oder Personen, sollte eine Skipperhaftpflichtversicherung der Crew die größte Sorge nehmen.
Zur Frage möglicher weiterer Spezialisten an Bord kann es durchaus sinnvoll sein, die Fachbereiche wie z.B. Kochen und Technik zu "vergeben". Es gibt gerade unter den Charterern erstaunlich viele begnadete (auch männliche) Köche, die sich nach jeder gelungenen Mahlzeit in der gern gesungenen Lobeshymne der ganzen Crew sonnen. Und es gibt ebenso viele Techniker, die als "Chief" die Motoren und Pumpen, Batterien und Winschen, Lampen und Bordelektronik betreuen möchten. Warum auch nicht?
Wo wir doch schon immer den mitsegelnden Doktor spontan zum Bordarzt, den Juristen zu unserem persönlichen Rechtsbeistand und den Geografielehrer zum Fremdenführer an Land bestellten?