Warum müssen wir denn überhaupt über Seekrankheit sprechen ? Weil die Bewegungskrankheit - Kinetose - in ihrer leichten Form nahezu 90 % aller Wassersportler befällt, und bei einer betroffenen Crew im schlimmsten Fall die Schiffssicherheit eingeschränkt sein kann.
Seekrankheit kann jeden treffen
Halten wir fest: Seekrankheit ist nach aktuellem medizinischen Stand nicht heilbar und kann jeden befallen. Den erfahrenen Blauwassersegler ebenso wie den absoluten Anfänger, den Softie und den harten Kerl, Kinder und Erwachsene, ja sogar den Bordhund. Fakt ist: da die Bewegungsabläufe bei Seegang und ihre Auswertungen im Stammhirn außerordentlich kompliziert sind, die Reaktionen auf den Betroffenen aber individuell stark variieren, gibt es auch unterschiedliche Behandlungsmethoden.
Haben Sie Mut, riskieren Sie ohne die Einnahme irgendwelcher Medikamente seekrank zu werden. Der Chartertörn über ein übliches Tagesetmal, mit der Möglichkeit zwischenzeitlich einen Hafen anzulaufen, ist dafür bestens geeignet. Was wird passieren? Es überfällt sie eine leichte Müdigkeit, ein leichtes Frösteln trotz bester Ausrüstung, auch der leckerste Snack zwischendurch kann sie nicht mehr reizen und vielleicht nerven auch leichte Kopfschmerzen. Jetzt lauschen sie nicht in sich hinein, angstvoll die weitere Entwicklung abwartend. Ihr Körper reagiert - wie er das bei einem gesunden Menschen auch muss - auf eine zu große, im Moment nicht zu verarbeitende Informationsflut mit Abwehr, und das äußert sich unglücklicherweise über den Magen. Geben sie Ihrem Körper einfach ausreichend Zeit die neuen Bewegungen zu speichern, richtig einzuordnen, um dann entsprechend zu reagieren.
Seekrankheit - Der Körper stellt sich ein
Fazit: einen normalen Verlauf der Krankheit vorausgesetzt, ist die Kinetose an Bord unausweichlich, und sollte vom Betroffenen akzeptiert werden. Nach zwei bis drei Tagen und mit Unterstützung von Skipper und Crew, sollte sich der Körper auf Rollen, Stampfen und Gieren eingestellt haben, und Medikamente gar nicht notwendig werden.
Bei einem schlimmeren Krankheitsbild - mehrmaliges Erbrechen, Depressionen, Apathie, allgemeines Erschlaffen - muss das Opfer behandelt werden, die Symptome dürfen nicht ignoriert werden. Denn der Übergang zur "echten", gefährlichen Seekrankheit ist fließend, und kommt schnell. Typisch sind körperlicher Totalausfall, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen, bis hin zur Selbstaufgabe. So weit darf es nicht kommen, deshalb ist vor Törnbeginn eine ehrliche Selbsteinschätzung über die eigene Seefestigkeit wichtig, oder ohne Erkenntnisse, ein erster "Test" durchaus angebracht.
Schutz vor Seekrankheit
Wie kann ich mich schützen? Tragen sie eine Augenklappe, setzen einen Walkman auf, essen Salzstangen und trinken Coca Cola mit Blick auf das nahe Land! Könnte helfen! Den Kopf in den Nacken legen, einen Matjes verspeisen und sich mit einfachen Kinderspielen die Zeit vertreiben, soll auch schon Erfolge gezeigt haben. Tatsache ist: es gibt kein Patentmittel, so dass durchaus einige skurril erscheinende Tipps hilfreich sein können. Denn Psychologen, die sich intensiv mit der Kinetose auseinandersetzen, wissen inzwischen, dass unser gesamtes Persönlichkeitsbild entscheidend zur Entwicklung und zum Verlauf der Seekrankheit beiträgt. Das heißt im Klartext: wer Angst hat, wird schneller seekrank, Gerüche von Diesel, Schmutzwasser oder Essen verstärken das sich entwickelnde Unwohlsein, starke Geräusche wie Motorengedröhn, Wind wirken beeinträchtigend.
Seekrankheit - Praxistipps
Bestätigte Praxistipps: bereiten sie sich auf den Törn mit Welle vor. Frühstücken sie normal, warm aber nicht beengend anziehen, sorgen sie dafür, dass alle persönlichen Sachen, die sie während des Törns gebrauchen am Mann sind, um spätere unter Deck Gänge zu vermeiden. Kümmern sie sich um eine feste, verantwortliche Aufgabe an Bord, finden für sich einen guten, weil sicheren Platz. Medikamente: Der Markt bietet heute rund 50 verschiedene Mittel. Doch egal, ob geschluckt, hinters Ohr geklebt, gelutscht oder rektal genommen…kein Medikament ist ohne Nebenwirkungen, denn die wichtigsten Wirkstoffe dämpfen die Abläufe im Nervensystem. Das bedeutet: sie müssen sich zwar nicht übergeben, doch Ihre Umwelt ist Ihnen egal, man steht "mehr oder weniger neben sich."
Mittel gegen Seekrankheit
Also warum gleich mit "Kanonen auf Spatzen schießen? Probieren Sie ein langläufiges Mittel gegen Reisekrankheit wie Rodova, Reisegold, Bonamin oder Peremesin. Basis genannter Medikamente sind Dimenhydrinatbzw. Meclozin, die ca. eine Stunde vor Törnbeginn wirken. Die "härteren" Mittel Stutgeron oder Scopoderm Pflaster sind verschreibungspflichtig, und die Aussagen über Wirkungsweise und Nebenwirkungen sehr widersprüchlich. Einige Profiskipper machten die besten Erfahrungen, die Marine setzte die Pflaster aufgrund von Halluzinationen und anderen gravierenden Sehstörungen nicht mehr ein.
Seekrankheit - Alternativen
Unterschiedliche Erfolge zeigen Akupressurbänder, die den Nei-Kuan Punkt stimulieren. Das bisher nur in den USA erhältliche Relief-Band, das elektrische Reize auf den Punkt ausübt, leistet dagegen den US-Piloten beste Dienste. Ingwer, das Pulver aus dem Wurzelstock der südostasiatischen Staude wurde schon in der Antike bei Magenproblemen eingesetzt. Heute Bestandteil des Medikaments Zintona, das ohne Verschreibung in Apotheken erhältlich ist.
Seekrankheit - Vorbeugen
Wie sollen wir vorbeugen? Gar nicht! Lassen Sie den ersten Törn mit beschriebener persönlicher Vorbereitung auf sich zukommen. Sie wurden seekrank? Na und! Probieren Sie den zweiten Tag, und im Regelfall werden sie schon gelernt haben, damit umzugehen. Sie haben auf ihrem 7-Tage-Törn 6 Tage lang über der Reling gehangen, und alle geschilderten Symptome erlitten? Dann bleiben Sie an Land und widmen sich ihren Rosenstöcken!