"Kids an Bord", so deutlich wie ein junges Seglerpaar es mit einem handgemalten Schild an ihrem Segelboot mit dieser Aufschrift im Hafen machte und dadurch um etwas Ruhe für die schlafenden Kinder bei den Nachbarliegern bat, machen es die wenigsten Eltern, die mit ihren Sprößlingen zum Urlaubstörn in See stechen, aber es werden immer mehr, die es tun. Wer wie zu Hause Rücksicht auf seine Kinder nimmt, kann mit ihnen nicht nur schöne Segeltage erleben, sondern fängt an, das Leben auf dem Wasser mit ganz anderen Augen zu betrachten, nämlich mit denen von Jungen und Mädchen, für die alles neu ist. Eltern, die mit Säuglingen auf Törn gingen, haben in der Regel nur gute Erfahrungen gemacht. Schon alleine durch die Enge an Bord, sind sie in der Regel ihren Kindern immer viel näher als beispielsweise in der Wohnung. Babys haben ein großes Schlafbedürfnis und schlafen können sie in einer sich in den Wellen wiegenden Charteryacht fast besser als zu Hause. Auch Törns mit mehr Wind und Welle werden von Säuglingen mit erstaunlicher Ruhe absolviert. Durch die tragbaren Oberteile von Kinderwagen, die sicher unter Deck als Babybett aufgestellt werden können, warmes fließendes Wasser und komfortable Pantrys auf den Yachten ist Babypflege an Bord kein Problem mehr.
Etwas schwieriger für Eltern wird der Törn mit Kindern im Vorschulalter. Sie wollen beschäftigt werden, und für sie ist segeln in der Regel eher langweilig. Mit ihnen sollten die Tagestörns kurz sein und ein Elternteil ist fast immer damit beschäftigt, die lieben Kleinen zu beschäftigen. Als positiv hat sich erwiesen, den Kleinen ein eigenes Reich unter Deck zur Verfügung zu stellen. So eignet sich die Vorkoje, oder eine Doppelkoje achtern hervorragend als Kinderzimmer, in dem tagsüber auf weichem Polster gespielt und nachts " wie in einer Höhle" geschlafen werden kann. Bei der Auswahl der Spiele sollte die räumliche Enge und die Bootsbewegung berücksichtigt werden. Überspitzt gesagt: Mikado eignet sich nicht an Bord.
Im Hafen können ein Kescher ein Eimer voller Wasser und sogenannte Krebsangeln - das sind Angelschnüre mit einer aufgebrochenen Muschel als Köder für Krebse - für eine stundenlange Beschäftigung des Nachwuchses sorgen. Wichtig ist, dass jedes Kind auch im Hafen mit einer passenden Rettungsweste ausstaffiert wird. Kinder auf den Stegen sollten trotzdem immer von den Erwachsenen beaufsichtigt werden. Als Spielzeug erster Güte kann ein Schlauchboot benutzt werden, dass mit einer langen Leine an der Yacht befestigt ist und so einen kontrollierten Ausflugsradius gestattet.
Richtig Spaß kann das Segeln auch für Erwachsene bringen, wenn die "Kids" so um die zehn Jahre alt sind. In der Regel wollen sie dann schon kräftig an Bord mithelfen. Man sollte ihnen ruhig einmal das Ruder überlassen - natürlich unter Beobachtung. Es ist erstaunlich wie schnell die Kinder segeln lernen. Aber auch in diesem Alter ist die Törnplanung auf den Nachwuchs abzustimmen. Nach drei bis vier Stunden auf dem Wasser tut es dem Bordfrieden gut, wenn ein Hafen angelaufen wird und wenn dieser dann auch noch einen Spielplatz hat und die Kinder Gleichaltrige treffen können, sind alle zufrieden.
Als besonders kinderfreudlich hat sich das Flottillensegeln erwiesen. Am erholsamsten für Eltern und Kindern ist das Segeln in diesen Flotten, wenn es möglichst viele gleichaltrige Kinder gibt, die sich nach den Segelstunden am Ankerplatz oder in den Häfen treffen. Dabei lernen auch bisher ungeübte Jungen und Mädchen schnell den richtigen Umgang mit dem Beiboot. Den Außenborder sollte man allerdings zur Sicherheit der Kinder und zum Nerven schonen der Nachbarn abbauen.
Noch mehr als bei uns Erwachsenen spielt das Wetter bei Kindern eine wichtige Rolle beim Segeln. Es entscheidet darüber, ob sie einen Segeltörn genießen können und mehr wollen oder ob schon in ganz jungen Jahren der Abschied vom Segeln eingeläutet wird. Im Norden empfiehlt es sich deshalb, den Törn während einer Phase besonders guten Wetters (Hochdrucklage) zu unternehmen. Noch besser ist es, gleich dort zu chartern, wo Sonne und warmes Badewasser garantiert sind. Als besonders kinderfreundliche Reviere im Mittelmeer gelten die Küste Dalmatiens in Kroatien, die Ionischen Inseln in Griechenland oder die türkische Küste zwischen Bordrum und Marmaris. In fast allen Revieren werden Flottillentörns angeboten. In der Ostsee eignet sich die dänische Südsee mit ihren vielen dicht beieinander liegenden Häfen und Marinas besonders gut als Segelrevier für eine Kindercrew. Viele dänischen Hafenbetreiber haben anscheinend ein Herz für ganz junge Segler. Sie bieten Spielplätze, die im Vergleich zu vielen Standardplätzen in Deutschland sehr viel kindgerechter sind. (kb)